Zuletzt erschienene Presseartikel über die Morbus Bechterew Gruppe Kitzingen
Aus der MainPost – Nov. 2008
Der Schmerz, der nicht gehen will
An Morbus Bechterew leiden mehr als eine Million Menschen in Deutschland
Wer an Morbus Bechterew erkrankt ist, sollte regelmäßig Gymnastik betreiben, um Schmerzen und Steifigkeit entgegenzuwirken. Die Kitzinger Selbsthilfegruppe bietet Übungen unter fachlicher Anleitung. Frank S. war immer ein begeisterter Sportler gewesen. Seine große Leidenschaft Tennis betrieb er viele Jahre als Leistungssport. Dann jedoch diese merkwürdigen Schmerzen: Am frühen Morgen zog es über Gebühr in den Gelenken, tagsüber schmerzte es im Rücken bei jedem Schritt. „Vielleicht nur eine Entzündung“, dachte sich der Patient....
Für Simulanten gehalten
Doch bei den Ärzten gab es zunächst kaum Hilfe. Eine Untersuchung folgte auf die andere – ohne greifbares Ergebnis. „Mancher Arzt hat mich schon für einen Simulanten gehalten“, berichtet der heute 39-Jährige, „dabei war ich wegen der Schmerzen nicht einen Tag krank geschrieben.“
Erst ein Homöopath tippte auf die richtige Ursache für das Leiden: Morbus Bechterew, in der Fachsprache auch „Spondylitis ankylosans“ – eine versteifende Wirbelentzündung. Betroffen ist vor allem die Wirbelsäule, aber auch andere andere Gelenke und Organe können in Mitleidenschaft gezogen werden.
Die Ursache der Krankheit, die von dem russischen Mediziner Wladimir Michailowitsch Bechterew (1857 bis 1927) erstmals umfassend beschrieben wurde, liegt bis heute weitgehend im Dunkeln. Inzwischen geht man jedoch von einer Störung des Immunsystems aus.
Für Betroffene gehören Gelenk- und Wirbelschmerzen zum Alltag. Vor allem am Morgen sind die Beschwerden am stärksten. Dazu kommen Verformungen an der Wirbelsäule („Bambus-Wirbelsäule), was bei erkrankten Personen zu einer Veränderung der Körperhaltung führen kann. In der Bundesrepublik wird die Zahl der Betroffenen auf etwa eine Million geschätzt. Dazu kommt noch eine Dunkelziffer von Personen, bei denen die Krankheit noch nicht erkannt wurde.
Ein Stück Erleichterung
Für Frank S. brachte die Diagnose auch ein Stück weit Erleichterung – jetzt wusste er endlich, woran er war. Und ihm war klar, dass der Sport auch künftig zu seinem Leben gehören wird, wenn auch nicht mehr auf dem Tennisplatz. „Man kann den Auswirkungen der Krankheit durch Gymnastik entgegenwirken“, sagt Frank S., der die seit 2002 bestehende Selbsthilfegruppe von Morbus-Bechterew-Patienten im Landkreis leitet. „Unsere Gymnastik ist eine Art Rückenschule. Vor allem kommt es auf Dehnübungen an, damit man sich die aufrechte Haltung bewahrt.“
28 Mitglieder hat die Gruppe, die sich jeden Donnerstag um 19 Uhr in der Sporthalle der Siedlungsvolksschule in Kitzingen trifft. Unter fachkundiger Anleitung werden dort gymnastische Übungen gemacht. „Zu uns kann jeder Betroffene kommen, auch ohne Voranmeldung“, sagt Frank S... Wer nur mal „schnuppern“ möchte, muss also keine Berührungsängste haben. Was übrigens auch für die „Bechterewler“ untereinander gilt. „Wir reden wirklich nicht nur über die Krankheit, wir sind fröhliche Leute“, beschreibt Frank S. das Klima in der Gruppe, deren Mitglieder zwischen 20 und 65 Jahren alt sind. Deshalb stehen neben Info-Veranstaltungen und gemeinsamen Ausflügen auch gesellige Veranstaltungen auf dem Programm.